GESICHTER
Wohlan, so sei mir vergönnt, ein Loblied auf das Frühstück zu erheben, gleichsam in der Sprache jener Zeit, da Geist und Empfindung noch edler schwangen, und jeden alltägliche Mahl, von heiterer Muse verklärt, zur Feier wurde.

Wenn die Nacht, ihr dunkles Schweigen, langsam von den ersten Strahlen der Sonne zerfließt, da öffnet sich dem Menschen ein neues Beginnen. Der Tau noch liegt auf Wies’ und Halm, und im stillen Gemüt regt sich die Sehnsucht nach Stärkung. O holde Stunde des Erwachens! Da tritt das Frühstück hervor wie ein wohlgesinntes Geschenk der Natur und der Kultur, ein Morgenfest, das dem Körper Labung, dem Herzen Trost und dem Geiste neuen Mut verleih

Sehet, wie auf dem Tische sich die Gaben reihen: das Brot, schlicht und wahrhaftig, der ehrwürdige Grundstock jeglicher Mahlzeit. Daneben die Butter, sanft und weich, gleich einem stillen Versprechen, die Härte des Alltags zu lindern. Honig glänzt im goldenen Schimmer, als habe die Sonne selbst ihn aus ihren Strahlen gesponnen; und die Marmelade, süß und fruchtbeladen, erzählt von Sommergärten, in denen das Leben schwelgte.

Nicht minder sei des Kaffees gedacht, jenes dunklen Trankes, der aus fernen Landen heranwehte und nunmehr zur Morgenstunde unentbehrlich ward. Er weckt, er wärmt, er führt den Geist auf lichte Höhen, daß Gedanken sich sammeln und das Herz, gestärkt, den Tag umfassen kann. Wer ihn nippt, der fühlt sich erhoben; und gleichwohl ist es nicht die Glut des Weines, sondern die sanfte Glorie des Morgens, die im Becher dampft. Doch auch die Gesellschaft, o Freund, ist ein Teil des Genusses. Wer einsam frühstückt,
der nährt nur seinen

Leib; wer aber im Kreis der Familie, im Gespräch mit dem Freunde, die ersten Bissen teilt, der speist zugleich vom Brote der Gemeinschaft. In solcher Runde wird das Mahl zur Feier, das Gespräch zur Würze, und die Seele labt sich nicht minder als der Leib. So ist das Frühstück mehr als bloßes Speisen: es ist Sinnbild des Anfangs, Verkündigung eines neuen Tages, ein kleines Mysterium des Alltags, das den Menschen mahnet, mit Dankbarkeit und Hoffnung das Kommende zu umfassen.